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DAS PÄPSTLICHE ORIENTALISCHE INSTITUT PDF Print E-mail
Written by Fr. Edward Farrugia, SJ   
Monday, 07 May 2007
We would like to thank Fr. José de Vera, SJ, Editor of Jesuits Magazine for kindly granting us the permission to reprint this article by Fr. Edward G. Farrugia, SJ. The original article is found in the various language editions of the 2007 issue of the same magazine.

 

           

 

 

 DAS PÄPSTLICHE ORIENTALISCHE INSTITUT

DIENT SEIT 90 JAHREN DEM OSTEN (1917-2007)



           

Am 15. Oktober 1917 verfügte Papst Benedikt XV. mit dem Motu proprio Orientis catholici die Gründung des Päpstlichen Orientalischen Instituts. Benedikt XV. gilt als der verkannteste Papst des 20. Jahrhunderts. Eine Mutter Gottes-Statue in der Basilika Santa Maria Maggiore, in nächster Nähe des Instituts, erinnert an seine uneingeschränkten, wenngleich erfolglosen Bemühungen, während des Ersten Weltkriegs den Frieden herbeizuführen; noch einmal festgehalten wurde dieses Engagement des Papstes von einem Standbild in Istanbul. Lebendig erhalten aber wird das rege und erfolgreiche Interesse dieses Papstes an der Förderung der Verständigung zwischen den verschiedenen Kulturen und Völkern von einem Denkmal besonderer Art: dem Päpstlichen Orientalischen Institut, das dem Studium der Ostkirchen gewidmet ist.

            Die Gnade des Anfangs. Es war in jenen Tagen - und ist das vielleicht sogar noch heute -  ein für jede Kirche atemberaubender Schritt, die vielen Traditionen zu studieren, die sich von der eigenen unterscheiden. Es hat lange gebraucht, bis diese Idee verwirklicht werden konnte. Sie war während der langen Zeit des Niedergangs des Osmanischen Reiches gereift, als man sich nach dessen Zusammenbruch um das Schicksal der vielen Millionen dort lebender Christen sorgte; das gehörte zu der berühmten "orientalischen Frage", die über ein Jahrhundert lang die Schlagzeilen beherrscht hatte. Fünfeinhalb Monate vor Errichtung des Instituts gliederte Papst Benedikt XV. den Bereich der katholischen Ostkirchen aus der bis dahin für sie zuständigen Kongregation Propaganda Fide aus und gründete die "Heilige Kongregation für die Orientalische Kirche" (1968 umbenannt in: Kongregation für die Orientalischen Kirchen), um den gänzlich falschen Eindruck zu korrigieren, der Osten wäre Missionsgebiet. Die Gründung des Orientalischen Instituts erfolgte nur wenige Tage vor dem Ausbruch der Russischen Revolution am 25. Oktober 1917 nach dem alten Kalender, am 7. November nach dem neuen, gregorianischen, Kalender. Die von der Februar-Revolution geweckten großen Erwartungen machten nun den Eindruck einer Totgeburt.

            Die Idee der Gründung eines Lehr- und Forschungsinstituts für den Fachbereich "Christlicher Osten" war derartig neu, daß der Gründer selbst unschlüssig darüber zu sein schien, welchem Zweck die Einrichtung dienen sollte. Nach Ansicht des Historikers P. Vincenzo Poggi SJ vom Orientalischen Institut schwankte Benedikt XV., ob das neu gegründete Institut zur Vorbereitung von Missionaren für ihren Einsatz in Ländern genutzt werden sollte, die ihre Grenzen dichtgemacht hatten, oder ob Fachleute in den verschiedenen, den Osten betreffenden Wissensgebieten ausgebildet werden sollten: dazu gehört die Geschichte der verschiedenen Länder des christlichen Ostens, orientalische Patristik und Theologie, Kirchenrecht und Liturgie. Die zunächst bescheidene Zahl von Studenten konnte lange Zeit in einem Saal Platz finden. In seiner denkwürdigen Enzyklika Maximum illud (30. November 1919) über die missionarische Anstrengung zur Evangelisierung der Welt, erwähnt Benedikt XV. das Orientalische Institut jedenfalls in diesem (missionarischen) Zusammenhang.

            Wachablösung. Benedikt XV. hatte das Institut zunächst einer gemischten Expertengruppe anvertraut. So war der erste Vizepräsident - die Bekleidung des Präsidentenamtes behielt sich der Kardinalpräfekt der Kongregation für die Orientalische Kirche selbst vor - P. Antoine Delpuch, ein französischer Weißer Vater, der aber schon  bald mit einem Auftrag nach Georgien entsandt wurde. An seine Stelle trat Abt Ildefonse Schuster OSB, der während des Krieges Erzbischof von Mailand war und 1996 von Johannes Paul II. seliggesprochen wurde. Von Anfang an gehörten fünf Jesuiten zum Professorenkollegium des Instituts, aber einer der vielversprechendsten Gelehrten der ersten Stunde war ein französischer Assumptionist, P. Martin Jugie (gest. 1954), der dann ein monumentales, fünfbändiges Werk über die Lehre der Orientalischen Kirchen schreiben sollte. Kurz nach dem frühen Tod Benedikts übertrug Pius XI., der wohl als zweiter Gründer des Instituts angesehen werden darf, das Orientalische Institut der Gesellschaft Jesu. Er errichtete die Orientalische Bibliothek, ein einzigartiges Juwel, das Gelehrte aus der ganzen Welt anzieht. Die Jesuiten genossen wegen ihrer wissenschaftlichen Arbeiten zu ostkirchlichen Fachbereichen hohes Ansehen; die Bollandisten und ihr Pionierwerk der Erforschung des Lebens der Heiligen sowie die berühmte Bibliothèque slave des Russen Ivan Gagarin (gest. 1882) sind nur zwei Beispiele dafür. Aber auch nach Übernahme des Instituts durch die Jesuiten gehörte ein herausragender Nicht-Jesuit dem Team an, Msgr. Paul Mullah (gest. 1959), der Islamkunde lehrte.

            Bei der Übersiedlung des Instituts an seinen heutigen Standort unweit der Basilika Santa Maria Maggiore am 14. November 1926 war Msgr. Angelo Roncalli, der spätere Papst Johannes XXIII., anwesend. Im Jahr 1928 wurde das Orientalische Institut mit der Universität Gregoriana und dem Bibelinstitut zu einem Konsortium zusammengeschlossen. In einer Zeit, wo die meisten Einrichtungen ihren Gürtel enger schnallen müssen, um überleben zu können, ist die Idee eines Konsortiums berechtigter denn je, da es die rasche gegenseitige Anerkennung von Lehrgängen in den verschiedenen Institutionen erleichtert. Die drei wissenschaftlichen Einrichtungen der Jesuiten bieten zusammen eine Fülle von Programmen und Forschungsmöglichkeiten an, die kaum zu überbieten ist. Das Orientalische Institut hat zwei Fakultäten, jene für die orientalischen Fächer und die Fakultät für Kirchenrecht; nach den Studentenzahlen stehen sie zueinander im Verhältnis drei zu eins. In der erstgenannten Fakultät gibt es drei Abteilungen: Theologie und Patristik, Liturgie und Geschichte.

            Initiativen der Jesuiten. Der erste Präsident nach der Übernahme des Instituts war P. Michel d'Herbigny (gest. 1957), ein Franzose, der das Institut dadurch, daß er ihm neuen Schwung verlieh, wahrscheinlich vor dem Scheitern rettete. Unter ihm begannen Jesuiten, zu allen Bereichen beizutragen, die in der Gründungsurkunde von Papst Benedikt XV. genannt sind. Ein anderer französischer Jesuit, P. Guillaume de Jerphanion (gest. 1948), machte mit seinen Publikationen die Monolithkirchen  Kappadokiens bekannt. Sein Werk wird in etwas anderer Art von P. Vincenzo Ruggieri mit  Ausgrabungen in der Türkei fortgeführt. Der baskische Jesuit P. Ignacio Ortiz de Urbina (gest. 1984) schrieb eine Reihe von Büchern über die östlichen Kirchenväter, einschließlich eines in lateinischer Sprache verfaßten Kompendiums der syrischen Patristik. Die Abteilung für Liturgie war mit so hervorragenden Gelehrten besetzt wie den zwei belgischen Jesuiten Jean-Michel Hanssens (gest. 1976) und Alphonse Raes (gest. 1983), dem späteren Präfekten der Vatikanischen Bibliothek, und dem Spanier Juan Mateos (gest. 2003), einem vielseitigen Mann und wahren Meister der östlichen Liturgie, der wiederum die Patres Miguel Arranz (Spanien) und Robert Taft (USA) zu hervorragenden, eigenständigen Liturgiewissenschaftlern ausbildete. Einen gewichtigen Beitrag haben auch die Patres Edward Kilmartin (gest. 1994), aus den USA, und Cesare Giraudo geleistet, obwohl sie sich erst später mit der östlichen Liturgie zu befassen begannen. Die Kanonisten am Päpstlichen Orientalischen Institut waren an der Planung und Durchführung der Revision des Codex Canonum Ecclesiarum Orientalium, des Kirchengesetzbuches der Orientalischen Kirchen,  beteiligt. 1963 erfolgte die Einrichtung einer Abteilung für das Studium des kanonischen Rechts, die dann 1971 zu einer eigenen Fakultät wurde. Diese Fakultät ist einzigartig auf der ganzen Welt, was durch die Tatsache unterstrichen wird, daß Patriarch Bartholomaios I. hier unter dem slowenischen Jesuiten P. Ivan ðuñek sein Doktoratsstudium absolvierte. Pater ðuñek war Seelsorger und Gelehrter. Dank seiner Arbeit als Sekretär der Kommission für die Revision des  Codex Canonum Ecclesiarum Orientalium(1990) erhielten diese Kirchen zum ersten Mal ein Gesetzbuch, das mit dem Codex des kanonischen Rechtes der lateinischen Kirche (1983) vergleichbar ist. Einige Wochen vor seinem Tod erzählte er folgende Geschichte über einen der Jesuitenpatres, den Spanier Mauricio Gordillo (gest. 1961), der in seiner Vorbereitungskommission für das II. Vatikanische Konzil Tag und Nacht gearbeitet hatte. Eines Tages erlitt er eine dramatische Herzschwäche; als der Rektor, Pater Raes, ihm schluchzend die Krankensalbung spendete, unterbrach ihn Pater Gordillo und sagte zu ihm: "Bitte, weinen Sie nicht für  mich - schließlich bin ich es, der stirbt!"

            Johannes Paul II. hat das Päpstliche Orientalische Institut nicht nur zweimal, 1987 und 1993, besucht, sondern machte auch das Bild von "den zwei Lungen der Kirche" bekannt, das, soviel wir wissen, von einem unserer Laienprofessoren, dem berühmten russischen symbolistischen Dichter Vja…eslav Ivanov (gest. 1949) geprägt worden war.

            Publikationen. Schon früh beschloß das Orientalische Institut, den Kirchen im Osten durch die Veröffentlichung von Texten und Studien einen nützlichen Dienst zu erweisen: sie sollten helfen, unsere Kenntnis vom Osten zu vertiefen, Vorurteile abzubauen und den Rahmen für brüderlichere Beziehungen zwischen den Orientalischen Kirchen zu schaffen, die nicht derselben Gemeinschaft an gehören. 1922 begann man mit der Herausgabe der Reihe Orientalia Christiana, in die sowohl Monographien wie auch kürzere Artikel aufgenommen wurden. Als die Reihe 100 Nummern erreicht hatte, wurde beschlossen, sie in die Zweige Orientalia Christiana Analecta (für die Monographien) und Orientalia Christiana Periodica (für kürzere Beiträge und Buchbesprechungen) zu teilen. 1992 kam unter dem Titel Kanonika eine weitere Reihe hinzu, in der vor allem Kommentare zum Gesetzbuch der Orientalischen Kirchen veröffentlicht werden. Ihr derzeitiger Herausgeber, P. George Nedungatt, ehemaliger Dekan der Fakultät für Kirchenrecht, hatte an der endgültigen Fassung des Codex mitgearbeitet. In jüngster Zeit wurde die Idee der von Pater Raes begonnenen Publikation von Anaphorae von Pater Taft in Form von Texten und Studien, aber nicht nur aus dem Syrischen, weitergeführt. Ein weitverbreitetes Werk wie der Überblick über die Ostkirchen des Paulistenpaters Ronald Roberson, das außerhalb dieser Reihen veröffentlicht wurde, hat es auf sechs Auflagen mit Tausenden von Exemplaren gebracht. Während des Krieges begannen Jesuitenhistoriker - allen voran der Deutsche Georg Hofmann (gest. 1956) - mit der monumentalen Ausgabe der Protokolle des Konzils von Florenz (1940-1971). Von P. Joseph Gill, einem britischen Jesuiten (gest. 1989), hieß es, er "wisse jedes Detail" über das Konzil von Florenz. Ein anderer hervorragender Historiker, der deutsche Jesuit P. Wilhelm de Vries (gest. 1997), widmete seine ganze Kraft der Erforschung der östlichen Patriarchate.

            Während des Krieges geschah aber etwas noch Bedeutsameres. Der Rektor, der deutsche Jesuit P. Emil Herman (gest. 1963), ein kluger Mann, versteckte mehrere Juden auf dem Dachboden der angrenzenden Kirche Sant'Antonio Abate.

            Zwei unerwartete segensreiche Ereignisse. Zwei Ereignisse haben sich als segensreich erwiesen. Das II. Vatikanische Konzil (1962-1965) machte offenbar, wie ökumenisch ernsthaft durchgeführte Forschungen sein können. Unter anderen Ökumenikern seien hier die Patres Georges Dejaivfe (gest. 1982), John Long (gest. 2005) und Peter-Hans Kolvenbach genannt, der als Rektor des Instituts zum Generaloberen der Gesellschaft Jesu gewählt wurde.

            Überraschenderweise sollte ein Bereich, den Benedikt XV. in seiner Gründungsurkunde nicht erwähnt hatte, nämlich die Spiritualität, eine reiche Ernte hervorbringen. Der französische Jesuit Irénée Hausherr (gest. 1978) legte die Grundlagen zur östlichen Spiritualität als Wissenschaft, und sein Schüler, der tschechische Jesuit  P. Tomáš Špidlík, weitete das Gebiet auf die russische Spiritualität aus. Špidlíks Erhebung in den Kardinalsstand im Jahr 2003 zeugt von der Wertschätzung des Vatikans für sein Werk und für die Arbeit des Instituts. Er wohnt im Centro Aletti.

            Studentenzahlen. Am Beginn der Achtzigerjahre des vorigen Jahrhunderts stiegen die Studentenzahlen auf 234 und die der ordentlichen Studenten auf 37. Die jüngsten Umwälzungen in Osteuropa und im Nahen Osten haben die dringende Notwendigkeit sichtbar gemacht, der Bevölkerung in diesen Ländern durch die Bereitstellung umfassend gebildeter Lehrer zu helfen, die in der Lage sind, ihrerseits die heranwachsenden Generationen auszubilden. Inzwischen ist die Studentenzahl auf ungefähr 350, davon 125 ordentliche Studenten, geklettert und wird in nächster Zukunft weiter steigen. Insgesamt haben bisher an die 6500 Studenten am Orientalischen Institut studiert, darunter Patriarchen, viele Bischöfe und manche berühmte Persönlichkeiten, wie der Jesuit Yves de Montcheuil (gest. 1944), ein bekannter Theologe, der von den Nazis erschossen wurde, der Passionist Eugeniusz Bossilikov, der 1952 als Märtyrer starb und 1998 seliggesprochen wurde, und viele andere, wie der Jesuit und Kardinal Alois Grillmeier (gest. 1998). Die Zahl der angenommenen Dissertationen beträgt ungefähr 600. Viele der ehemaligen Studenten erlangen in ihrer Heimatkirche angesehene Positionen, und ihre Studien schlagen Brücken zu verschiedenen kulturellen Gruppen.

            Schlußbemerkung. Es scheint natürlich, sich den Osten als ein faszinierendes Gebilde vorzustellen, ohne zu realisieren, daß man ihn damit zu etwas Exotischem und damit nutzlos macht. Die am Orientalischen Institut bereits geleistete Arbeit hat den Beweis erbracht, wie erhellend es ist zu sehen, daß das Christentum seine Wurzeln im Osten hat. Alle ökumenischen Konzilien des ersten Jahrtausends wurden dort abgehalten, und Theologie, Liturgie, Spiritualität und Kirchenrecht wären ohne eine gründliche Kenntnis ihres östlichen Zusammenhangs unverständlich. Diese Kenntnis bietet ihrerseits eine Plattform für den Frieden zwischen Osten und Westen. So gesehen können wir nur dankbar sein, daß die Entscheidung der ersten Stunde zugunsten ernsthafter Studien ausgefallen und das Institut nicht zu einer Art Hafen für Missionare geworden ist. Die Wahl Benedikts XVI. vor einem Jahr klang wie eine Erkennungsmelodie, die daran erinnerte, daß die hoffnungsvolle Zusage, die einst gefährdet schien, jetzt verwirklicht worden ist. Die byzantinische Kapelle, die von dem slowakischen Ikonographen Rastislav Bujina, einem Laien, unter Mithilfe des slowakischen Weltpriesters Rastislav Dvoravy gründlich renoviert worden ist, dient anläßlich des Jubiläums des Instituts als eine Gedächtnishilfe dafür, daß wir nicht zuletzt dank des Erbes aus dem Osten, welches das Päpstliche Orientalische Institut eifersüchtig hütet und aktiv fördert, richtig zu beten und gründlich zu studieren und zu forschen gelernt haben.

Edward G. Farrugia SJ

Übersetzung: Sigrid Spath


Last Updated ( Monday, 07 May 2007 )
 
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